Partizipation

Partizipation in unserer Kita

„Kinder haben das Recht, an allen sie betreffenden Entscheidungen entsprechend ihrem Entwicklungsstand beteiligt zu werden. Es ist zugleich ein Recht, sich nicht zu beteiligen. Dieser Freiwilligkeit seitens der Kinder, ihr Recht auszuüben, steht die Verpflichtung der Erwachsenen gegenüber, Kinder zu beteiligen, ihr Interesse für Beteiligung zu wecken.“
(Artikel 12 UN-Kindercharta)

Im Kinder- und Jugendhilfegesetz heißt es: "Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen." Da § 8 KJHG keinerlei Altersbegrenzungen enthält, gilt er auch uneingeschränkt für Kindertageseinrichtungen.

Die "bewusste" und intensive Auseinandersetzung mit dem Thema „Partizipation in unserer Kita“ begann 2015. Aber schon lange vorher gab es eine Vielzahl von Abläufen im täglichen Miteinander, an denen unsere Kinder teilhaben bzw. sich beteiligen konnten:

  • Die Kinder können während der Freispielzeit und auch beim Aufenthalt auf dem Außengelände frei wählen, womit sie sich beschäftigen.
  • Die meisten Spiel- und Gebrauchsmaterialien sind für Kinder frei zugänglich.
  • Im Stuhlkreis bestimmen i.d.R. die Kinder, welche Spiele gespielt, welche Lieder gesungen werden.
  • Beim Geburtstag entscheidet das Geburtstagskind, wen es an „seine Seiten“ einladen möchte.
  • Kinder können jederzeit nach Absprache und festgelegten Regeln auch ohne Begleitung bestimmte Räume nutzen bzw. sich auf dem Außengelände bewegen.
  • Die Kinder bestimmen selber, ob sie frühstücken, wie viel, wann und mit wem.
  • Am Mittagstisch bedienen sie sich selber und bestimmen so, wie viel sie von den angebotenen Speisen essen möchten.
  • Bei der Umgestaltung der Räume werden sie einbezogen.
  • Für unsere Abschlussübernachtung mit den Vorschulkindern erstellen wir gemeinsam den Speiseplan.

Hier sind einige grundlegende Prinzipien zum Thema Partizipation, die wir künftig in die Erarbeitung einer Kita-Verfassung einbeziehen werden, damit wir unsere Kinder zu kompetenteren Akteuren ihrer eigenen Entwicklung machen können. 

  • Partizipation bedeutet, dass Kinder von uns Erzieherinnen begleitet werden. Es genügt nicht, ihnen Entscheidungsspielräume einzuräumen und sie dann damit allein zu lassen. Die Entwicklung notwendiger Partizipationsfähigkeiten muss aktiv unterstützt werden. Oft fehlen den Kindern der Zugang zu Informationen oder alternative Erfahrungen, die erst eine Entscheidung ermöglichen.
  • Partizipation bedeutet einen gleichberechtigten Umgang, keine Dominanz der Erwachsenen.
  • Partizipation darf nicht folgenlos bleiben. Wir Erzieherinnen müssen uns deshalb im Vorfeld einigen, welche Entscheidungsmöglichkeiten unsere Kinder tatsächlich haben sollen. Wir müssen prüfen, ob bestimmte Mitentscheidungspunkte realistisch umgesetzt werden können.
  • Partizipation ist zielgruppen- und altersorientiert, da Kinder nicht alle gleich sind. Ein 5-jähriges Kind kann z.B. auf Grund seiner Erfahrungen abschätzen, wie viele Kartoffeln es schafft. Einem 3-jährigen Kind muss ich Hilfestellung geben, damit es mit der Zeit lernt, seinen Hunger selber einzuschätzen und danach die Portionierung der Speisen zu bemessen. Folglich: Inhalte und Methoden der Teilhabe müssen darauf abgestimmt sein.
  • Partizipation ist lebenswelt-orientiert. Die Thematik braucht für die Kinder Alltagsbezug. Abstrakte Themen wie z.B. aus dem Gebiet der Ökologie müssen methodisch an die Erfahrungen der Kinder angeknüpft werden. Einige leicht umzusetzende Partizipations-Möglichkeiten werden wir in Kürze angehen, allerdings nicht, ohne vorher die Eltern mit dem Thema vertraut zu machen. Denn Partizipation muss auch unbedingt die Eltern einbeziehen.

          

 

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