Kindeswohlgefährdung

§ 8a SGB VIII  Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung

Die Themen Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung sind seit einiger Zeit stärker in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt. Die zunehmende Sensibilisierung der Gesellschaft für die Anzeichen der Vernachlässigung und der Misshandlung von Kindern hat dazu geführt, dass auch die Arbeit der Träger der Kinder- und Jugendarbeit bzw. die Kindertagesstätten u.ä. Einrichtungen unter diesem Aspekt beobachtet werden. Wer mit Kindern arbeitet, sollte sich daher mit den Themen Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung eingehend beschäftigen.

In mehreren Dienstbesprechungen haben wir uns ausführlich mit dem Thema befasst. Alle Kolleginnen haben in den letzten zwei Jahren mehrtägige Fortbildungen zu diesem Thema besucht und mit anschließender Diskussion nochmals für unsere Einrichtung präzisiert.

 

Die Begriffe Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung

Der Begriff des Kindeswohls ergibt sich aus den Anforderungen an das Wohl des Kindes. Diese Anforderungen ergeben sich aus dem Recht des Kindes auf eine geschützte Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit. Die zwei fundamentalen Aspekte, die den Begriff des Kindeswohls prägen, sind daher Förderung und Schutz.

Wir unterscheiden verschiedene Formen von Kindeswohlgefährdung:

Vernachlässigung

  • unzureichende Kleidung, Körperhygiene, Ernährung, Gewicht
  • mangelnde Beaufsichtigung/Zuverlässigkeit
  • unentschuldigtes Fernbleiben von der Kita
  • fehlende ärztliche Vorsorge und Behandlung
  • deutliche Entwicklungsverzögerung (Sprache, Motorik)
  • geringes Erziehungsverhalten (Regeln, Grenzen)
  • soziael Isolation; desolate Wohnsituation

Seelische Schädigung

  • Gewalt in der Familie, psychische Erkrankung der Eltern
  • unangemessene Beschimpfungen und Bestrafungen, psychischer Druck
  • traumatische Lebensereignisse

Körperliche und sexuelle Misshandlung

  • Verletzungen, die nicht plausibel erklärbar sind/erklärt werden, z.B. Hämatome, Striemen, Brandwunden, Infektionen im Intimbereich
  • Plausible, kindliche Erzählungen von Schädigungen, die nicht sichtbar sind
  • Eindeutige Zeichnungen und aussagekräftige Spielsituationen
  • Nicht zuzuordnende psychosomatische Symptome wie z.B. Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Einnässen, Einkoten
  • Schilderungen aus dem Umfeld (Verwandschaft, Nachbarn)

 

Wie gehen wir vor, wenn einer oder mehrere o.g. Anzeichen beobachtet/festgestellt werden?

Wahrnehmen, Beurteilen, Handeln!

  • unvoreingenommenes Beobachten, Dokumentieren
  • Information und dadurch Sensibilisierung aller in der Einrichtung tätigen Erwachsenen, Austausch mit anderen Kolleginnen und Bewertung der Fakten und Eindrücke
  • Hinzuziehung einer vorgesetzten Person
  • evtl. anonyme Fallberatung
  • Hinzuziehung einer erfahrenen (Kinderschutz-)Fachkraft, um das Gefährdungsrisiko abzuschätzen
  • offizielle Informierung des Jugendamtes durch die Vorgesetzte/den Träger, mit Wissen der Sorgeberechtigten, sollten diese adäquate Hilfen nicht annehmen bzw. sollten die Angebote nicht ausreichend sein
  • unverzügliches Handeln bei Gefahr im Verzug (Kinderarzt, Klinik, Jugendamt)

 

Was können wir vorbeugend tun, um unsere Kinder zu schützen?

Einen kleinen Beitrag, unsere Kinder vor Übergriffen bzw. Gefährdungen zu schützen, leisten wir, indem wir einmal jährlich das Thema „Mein Körper gehört mir“ mit den Kindern erarbeiten. Durch Gespräche und spielerische Aktionen soll das Selbstbewusstsein der Kinder gestärkt werden. Dadurch gelingt es ihnen eher, in „bedrohlichen“ Situationen Grenzen zu zeigen oder z.B. sexuelle Übergriffe abzuwehren. Bei diesem Projekt lernen Kinder auch die biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern kennen; die Geschlechtsteile werden benannt und sie erfahren, dass man ganz normal darüber sprechen darf.

Ein weiteres Angebot ist das Thema „Gewaltprävention“. Dazu laden wir einmal jährlich für mehrere Übungs-Einheiten mit den Kindern, einschließlich eines Elternabends einen „Gewaltpräventions-Trainer“ zu uns in die Kita ein. In verschiedenen Rollenspielen lernen die Kinder, dass sie ein Recht haben, „NEIN“ zu sagen, wenn sie etwas nicht möchten.

Auch außerhalb o.g. Projekttage werden die Kinder mit dem Gelernten in verschiedensten Situationen immer wieder konfrontiert.

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